Die ehemalige Schuldenvilla des Ex-Tennisstars
Als Boris Becker 1985 im Alter von nur 17 Jahren das Wimbledon-Finale gewann, ging er als jüngster Sieger des prestigeträchtigen Tennisturniers in die Sportgeschichte ein. Knapp zehn Jahre später kaufte sich der ehemalige Tennisprofi aus Leimen die idyllische Finca Son Coll auf Mallorca. Angeblich für etwa eine Million D-Mark, was nach heutigem Geldwert etwa 839.000 Euro entsprechen würde.
Becker gab anschließend ein Vermögen für die Umgestaltung aus: So wurde ein Pool mit Poolhaus, ein Gästehaus, ein Basketballplatz und noch vieles mehr hinzugefügt. Doch schon bald entwickelte sich die vermeintliche Traumfinca zum Albtraum für den Ex-Tennisstar …
Adaptiert von Sandra Schröpfer, Tascha Walker Dean und Jasmin Moore
Ein Problem jagt das nächste
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2004 musste Becker mehrere Zehntausend Euro Strafe für Anbauten zahlen, die nicht von den Behörden genehmigt worden waren. Er wurde zudem aufgefordert, diese abzureißen. Im Jahr 2007 stand die Finca zum angeblich stolzen Preis von knapp 15 Millionen Euro zum Verkauf. Ein Käufer fand sich jedoch nicht.
Luxusruine wird beschlagnahmt
Georg Berres/Facebook [CC BY 4.0]
Becker hatte zunehmend mit den Kosten für die Instandhaltung der Luxusvilla zu kämpfen. 2011 wurde er von seiner Gartenbaufirma verklagt, der er knapp 300.000 Euro schuldete. Auf Anordnung des spanischen Gerichts wurde die Villa bis zur Zahlung der ausstehenden Rechnung beschlagnahmt. Weil Becker weitere Bauarbeiterrechnungen nicht begleichen konnte, wurde die Immobilie 2014 erneut beschlagnahmt.
Hausbesetzer übernehmen die Finca
Georg Berres/Facebook [CC BY 4.0]
Kurz vor Ablauf der Frist zur Zwangsversteigerung der Finca bezahlte Becker schließlich die offenen Rechnungen, verlor die Albtraum-Villa durch seine Insolvenz 2017 aber endgültig. Sie ging an den Verwalter, wurde jedoch unter anderem von dem deutschen Aussteiger Georg Berres und den Mitgliedern seines sogenannten Intergalaktischen Hilfs- und Rettungskommandos besetzt.
Baufällig und besetzt
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Berres dokumentierte den Zustand des einst prachtvollen Anwesens, das offenbar inmitten der Bauarbeiten aufgegeben wurde: Im überwucherten Garten lagen stapelweise Möbel, und das Innere war fast gänzlich leergeräumt.
Beckers Insolvenzverfahren
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Wie seine Finca hat auch Becker einige turbulente Jahre hinter sich. Der sechsfache Grand-Slam-Sieger wurde 2017 für insolvent erklärt. Da er seiner Offenlegungspflicht nicht nachkam und Vermögenswerte – wie etwa seine Beteiligung an einer rund 1,1 Millionen teuren Immobilie in seinem Heimatort Leimen – verschleierte, saß er 2022 fast acht Monate wegen Insolvenzverschleppung in Großbritannien im Gefängnis. Nach seiner Haftentlassung wurde Becker nach Deutschland abgeschoben. Seit April 2024 ist sein Insolvenzverfahren beendet und Becker seitdem wieder offiziell schuldenfrei.
Neuer Eigentümer für die Finca Son Coll
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Wie die „Bild am Sonntag“ 2023 berichtete, gehört die Finca Son Coll inzwischen einem Jungunternehmer aus Süddeutschland, der anonym bleiben möchte. Der neue Besitzer soll im Rahmen umfassender Renovierungsarbeiten 150 Containerladungen Abfall beseitigt haben. Außerdem plane er, das Gelände mit rund 500 Orangenbäumen zu verschönern.
Becker scheint nach seiner Zeit hinter Gittern langsam wieder Fuß zu fassen. Bei den Olympischen Spielen in Paris kommentierte er als Experte für Eurosport das olympische Tennisturnier und im September 2024 heiratete er seine Partnerin Lilian de Carvalho Monteiro. Das Paar lebt mit jetzt in Mailand.